Health Trends 2026: Steigende Gesundheitskosten – wie Arbeitgeber jetzt proaktiv gegensteuern können
Die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen zeigen: Die Kosten steigen weiter, die Herausforderungen nehmen zu – und die Politik allein wird die Lage nicht entschärfen. Für Unternehmen bedeutet das: Wer jetzt nicht handelt, riskiert langfristig erhebliche finanzielle Belastungen, Produktivitätsverluste und eine geringere Attraktivität als Arbeitgeber. Der Schlüssel liegt in einem strategischen, proaktiven Ansatz, der Gesundheit, Prävention und Risikomanagement miteinander verbindet – mit besonderem Fokus auf die betrieblichen Gesundheitslösungen.
Die Faktenlage: Kosten, Risiken und gesellschaftliche Trends
In Europa nennen Versicherer die Verschiebung der Kosten vom öffentlichen System in den privaten Bereich als einen der wichtigsten Treiber für den medizinischen Trend, also den Anstieg der Kosten für Gesundheitsabsicherung in 2026. Das bedeutet: Die öffentliche Versorgung wird durch steigende Kosten und Ineffizienzen zunehmend belastet, während die individuelle Verantwortung für Gesundheit wächst. Genau zu diesem Schluss kam auch der kurz zuvor erschienene DACH-Report Health on Demand. Für Unternehmen bedeutet das: Ohne gezielte Maßnahmen drohen Kostenexplosionen, die die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.
Deutschland im Fokus: Unsicherheit, Kosten und Chancen
In Deutschland verschärfen sich die Rahmenbedingungen: steigende Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), wachsende Arzneimittelausgaben (+4,3 % im ersten Halbjahr 2025 [Quelle: Deutsches Ärzteblatt]) und Unsicherheiten bei der Finanzierung. Die Folge: Die langfristige Versorgungssicherheit ist gefährdet, während die Bedürfnisse der Bevölkerung nach Gesundheitsleistungen weiter steigen. Die Prävalenz von Krebserkrankungen liegt für Deutschland bei 4,5 % bei Menschen zwischen 15 und 69 Jahren [Quelle: Global Burden of Disease Study 2021] – d.h. 4-5 von 100 Menschen sind davon betroffen während ihrer produktivsten Lebensphase. Die direkten und indirekten – also auch volkswirtschaftlichen - Kosten durch Krebserkrankungen werden auf 70-80 Milliarden Euro jährlich geschätzt, mit erheblichen Folgen für die Produktivität und das soziale Umfeld [Quelle1: Statistische Bundesamt (Destatis) | Quelle 2: Hernandez, D., Hernandez-Villafuerte, K. & Schlander, M. Die Messung der Kosten von Krebserkrankungen in Deutschland. Forum 37, 42–48 (2022)]
Neben allen Herausforderungen liegt hier auch eine Chance für Unternehmen: Anstatt auf eine ungewisse Zukunft zu warten, sollten sie jetzt aktiv werden, z.B. mit der Unterstützung beim Thema Vorsorge. Hier liegt das Potential, durch passgenaue Gesundheitsbenefits und effektive Kommunikationsstrategien Risiken zu steuern, Kosten zu senken und die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern. Passende und gut kommunizierte Benefits führen zu Mitarbeitenden, die sich am Arbeitsplatz wohlfühlen und sich als besonders produktiv wahrnehmen. [Abb. 1]
Abbildung 1:
Die Benefitskommunikation hat direkten Einfluss darauf, wie produktiv sich Arbeitnehmende einschätzen.
Der Anteil an Mitarbeitenden in Europa, die sich am Arbeitsplatz wohlfühlen und sich besonders produktiv einschätzen, ist deutlich höher im Falle einer guten Benefitskommunikation.
Die Grafik zeigt die Verteilung der Zustimmung zur Aussage: „Ich fühle mich an meinem Arbeitsplatz wohl und besonders produktiv“ – mit und ohne (blau) Benefitskommunikation. Quelle: Health on Demand 2025
Der medizinische Trend: Kostensteigerung und Treiber
Global steigen die Gesundheitskosten weiter, in Europa zeigt sich eine differenzierte Entwicklung: Für 2024 bestätigte sich die vorausgesagte zweistellige Steigerung, doch für 2025 und 2026 wird eine leichte Abkühlung erwartet. Dennoch bleiben die Haupttreiber bestehen [Abb. 2]:
- Inflation bei medizinischen Produkten und Dienstleistungen (Währungsschwankungen, Arbeitskosten)
- Verändertes Nutzungsverhalten aufgrund höherer Krankheitsinzidenz, demographischer Entwicklung und veränderten Gesundheitsbewusstseins
- Zugang und Qualität des öffentlichen Systems – hier liegt in Europa die größte Einflussmöglichkeit für Unternehmen
Insbesondere Punkt drei ist für Arbeitgeber relevant: 70 % der europäischen Versicherer sehen die Zugänglichkeit und Qualität der Versorgung als entscheidenden Treiber für den medizinischen Trend 2026. Das bedeutet: Unternehmen können durch gezielte Benefits, wie die betriebliche Krankenversicherung (bKV), die Versorgung ihrer Mitarbeitenden verbessern und so Kosten langfristig kontrollieren.
Abbildung 2:
Relevante Treiber für den medizinischen Trend 2026
Bei den europäischen Top-Treibern der steigenden medizinischen Kosten hat die Veränderung des öffentlichen Systems im globalen Vergleich einen besonderen Stellenwert. Quelle: Health Trends 2026.
Warum jetzt handeln? Die Chancen der proaktiven Strategie
Der Appell an die Arbeitgeber: Handeln statt abwarten
Finanzielle Implikationen & Handlungsempfehlungen
Was können Sie konkret tun?
- Aufbau einer strategischen Gesundheits- und Benefits-Architektur: Integrieren Sie die bKV und weitere Vorsorgelösungen als Kernbestandteil Ihrer Gesundheitsstrategie.
- Förderung der Gesundheitskompetenz: Binden Sie Ihre Mitarbeitenden durch gezielte Kommunikation und Präventionsangebote ein.
- Nutzung digitaler Versorgung: Telemedizin, digitale Gesundheits-Apps und Case Management helfen, Versorgung effizienter und zielgerichteter zu gestalten.
- Messung und Steuerung: Nutzen Sie Daten, um den Erfolg Ihrer Maßnahmen zu überwachen und kontinuierlich zu optimieren.
Es gibt klare Handlungsfelder, in denen durch strategische Ausrichtung und optimale Investitionen die Gesundheit und Produktivität der Mitarbeitenden für den Unternehmenserfolg unterstützt und gesichert werden kann [Tab. 1]. T
- 1 Was?
- 2 Wozu?
- 3 Wie starten?
Optimierung der Benefits
Mehr Wert durch die richtige Strategie und passende Leistungen
Gesundheits- & Qualitätsverbesserung
Steuerung der Nutzung durch hochwertige Versorgung und passende Unterstützung
Kostenmanagement
Sichern der Erschwinglichkeit für Mitarbeitende und Arbeitgeber
Kosten- und Aufwandsverlagerung
Eigenverantwortung der Mitarbeitenden stärken durch verbesserte Wahrnehmung
- Nutzen der angebotenen Leistungen für die Gesundheit des Einzelnen und die der Organisation maximieren.
- Optimierung über das gesamte Spektrum von Gesundheitsbenefits, Risikoschutz und Wohlbefinden hinweg denken.
- Sicherstellen der Angemessenheit der Leistungen
- Schließen von Lücken
- Prävention und Management von Gesundheit/Krankheit
- Vermittlung an hochwertige Versorgungswege
- Beseitigung struktureller Ineffizienz durch mehr Wissen in der Organisation
- Redundanz vermeiden
- Koordination mit der öffentlichen Gesundheitsversorgung
- Sinnvolle Begrenzung des Anspruchsumfangs
- Opportunitätskosten senken
- Analyse der Leistungsangebote und Anpassung an Mitarbeiterbedürfnisse
- Mitarbeiterbefragungen durchführen
- Benchmarking mit globalen und lokalen Best Practices
- Bedarfsorientierte Dotierung betrieblicher Altersvorsorge und betrieblicher Gesundheitsförderung inkl. bKV
- Zusammenarbeit mit Krankenkassen, Versicherern und Betriebsmedizin
- Pilotprojekte starten
- Einführung flexibler Benefits
Speziell im globalen Kontext zu empfehlen:
- Analyse sich entwickelnder gesetzlicher Vorgaben und Rahmenbedingungen in Kern-Märkten
- Analyse der Gesundheitsprogramme und deren Wirksamkeit / Nutzung
- Präventionsmaßnahmen implementieren und zielgerichtet kommunizieren
- Partnerschaften mit Gesundheitsdienstleistern aufbauen und auf Datenqualität achten
- Zusammenarbeit von betrieblichem Gesundheitsmanagement, Betriebsmedizin, Arbeitsschutz, Personal- und Benefitsverantwortlichen stärken
- Digitale Tools zur Gesundheitsförderung nutzen
- Präventionsrichtlinien der gesetzlichen Krankenkassen umsetzen
- Regionale Gesundheitsnetzwerke einbinden
Speziell im globalen Kontext zu empfehlen:
- Definition globaler Mindeststandards und Festlegung von globalen / regionalen / lokalen Verantwortlichkeiten
- Kostenstruktur analysieren
- Kostenentwicklung überwachen
- Vertragsbedingungen mit Anbietern optimieren / regelmäßige Verhandlungen mit Dienstleistern führen
- Paketpreismodelle einführen
- Monitoring-Systeme für Gesundheits- und Produktivitätsrisiken einführen
- Zusammenarbeit mit gesetzlichen Krankenkassen optimieren und Förderungen nutzen
Speziell im globalen Kontext zu empfehlen:
- Rahmenverträge mit Leistungserbringern nutzen
- Transparent Zweck und Mehrwert von Gesundheitsleistungen kommunizieren
- Schulungen zur Nutzung der Benefits anbieten für Mitarbeitende und HR
- Strategien zur Incentivierung und Verhaltensänderung implementieren
- Betriebsrat und Personalvertretung einbinden
Speziell im globalen Kontext zu empfehlen:
- Kostenbeteiligung der Mitarbeitenden überprüfen
- Selbstbeteiligungen und Prämienmodelle einführen
Fazit: Jetzt proaktiv handeln – für eine nachhaltige Zukunft
Principal Health Consultant
Partner, Leader Mercer Marsh Benefits, Germany
Leader Mercer Marsh Benefits Local, Germany