Mut machen, Lösungen von Start-ups aktiv zu nutzen
09 März 2026
Interview mit den neuen Jury-Vorsitzenden des HR Start-up Awards Dr. Katharina Herrmann und Holger Jungk
Auf dem Personalmanagementkongress in Berlin wird am 27. Juni 2026 zum elften Mal der HR Start-up Award verliehen. Bis zum 31. März 2026 können sich Gründer*innen mit Tools und technischen Lösungen für Personalverantwortliche und Mitarbeitende auf www.hrstartupaward.com noch bewerben – und die Chance auf ein Maximum an Sichtbarkeit in der HR-Szene nutzen.
Zum Aufbruch in die neue Dekade präsentiert sich der Preis in aktualisierter Jury-Besetzung. Dr. Katharina Herrmann, Vizepräsidentin des Bundesverbands der Personalmanager*innen (BPM), übernimmt zusammen mit Holger Jungk, Partner Strategic People Advisory bei Mercer, a Marsh business, den Jury-Vorsitz. Sie übernehmen diese Funktion von Prof. Dr. Elke Eller und Michael H. Kramarsch, die den Preis gründeten und nach dem zehnjährigen Jubiläum im vergangenen Jahr den Staffelstab übergaben.
Wir sprachen mit den neuen Jury-Vorsitzenden über die Entwicklungen in HR-Tech, die Rolle von HR-Start-ups und den Award.
Katharina, Holger, was hat euch ganz persönlich dazu bewegt, den Jury-Vorsitz bei der 11. Ausgabe des HR Start-up Awards zu übernehmen?
Katharina: Als HR-Verantwortliche darf ich erleben, wie digitale Lösungen unsere Profession nachhaltig verändern. Wurden zunächst analoge Prozesse eins-zu-eins digital umgesetzt, so schafften neue Instrumente und ein gewachsenes Verständnis bald nicht nur neue Prozesse, sondern auch Tätigkeiten und Rollen. HR wird durch diese Tools effizienter und effektiver, gerade auch im Hinblick auf schon lange bestehende und sich nun zuspitzende Herausforderungen – Stichwort Arbeitskräftemangel. Diese technischen Lösungen kamen oft von den großen IT-Anbietern, aber mit der Zeit mehr und mehr auch von Start-ups. Aber auch Themen wie Mental Health oder Coaching sind heute Teil des HR-Portfolios und wollen wirksam gesteuert und abgewickelt werden. Technische Innovationen haben somit einen entscheidenden Anteil an der Entwicklung der Personalarbeit. Und es freut mich, beim HR Start-up Award mein Ohr direkt auf die Schiene dieser Entwicklung legen zu können.
Holger: Als Berater darf ich Unternehmen seit vielen Jahren in Fragen der Organisation, Transformation und Workforce-Strategie begleiten. Die Auswahl und Einführung von großen HR-Systemen war hier immer ein besonderer Schwerpunkt. Insofern konnte auch ich live miterleben, wie die Rolle von Start-ups in HR immer bedeutender wurde. Vieles, was von Start-ups entwickelt wurde, ist von „den Großen“ aufgenommen oder integriert worden. Die IT-Häuser haben mitunter selbst Start-ups gegründet und gefördert, um mit Schnellboten Innovationen treiben zu können. Start-ups sind die Trendsetter im Markt. Der HR Start-up Award bietet einen einzigartigen Blick auf ihre neuen Lösungen und auf Markttrends, die für unsere Kund*innen, aber auch für mich persönlich, spannend und hochrelevant sind.
Welche Impulse wollt ihr mit dem Award setzen?
Katharina: Zuallererst wollen wir den Grundgedanken, den Prof. Dr. Elke Eller und Michael Kramarsch mit diesem Award verfolgt haben, aufrechterhalten und Wege finden, diesen noch weiterzuentwickeln. Wir werden Innovationen sichtbar machen und aktiv fördern. Der HR Start-up Award ist dafür ein herausragendes Instrument. Er bringt technische Lösungen ins Rampenlicht, die Personalabteilungen konkret unterstützen und echten Mehrwert im Arbeitsalltag stiften. Damals wie heute müssen wir mit dem Award Start-ups und die HR-Praxis aber auch enger vernetzen. Und ganz wichtig: Mag der Einsatz von Start-up-Lösungen heute verbreiteter sein als vor zehn Jahren, ist er auch längst noch nicht selbstverständlich. Wir wollen den Kolleg*innen in HR auch weiterhin Mut machen, Lösungen von Start-ups aktiv zu nutzen. Gerade in Zeiten tiefgreifender Transformation – etwa durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, neuen Kompetenzanforderungen oder veränderten Arbeitsmodellen – brauchen wir frische Ideen, die praktikabel und verantwortungsvoll umgesetzt werden. Wer wartet, bis manche Lösung im Mainstream angekommen ist, verschenkt Wettbewerbsvorteile.
Holger: Mich reizt besonders, die Professionalität und Reichweite des Awards weiterzuentwickeln und Gründer*innen eine Bühne zu geben, auf der sie Feedback aus unterschiedlichsten Perspektiven erhalten. Gleichzeitig ist der Jury-Vorsitz eine Chance, Impulse für das gesamte HR-Ökosystem zu setzen – technologisch, aber auch mit Blick auf Wirksamkeit und Skalierbarkeit.
Die Jury hat nicht nur zwei neue Vorsitzende erhalten, neben alten Bekannten finden sich auch einige neue Gesichter in dem Gremium. Was wird sich in der Jury verändern und welche Schwerpunkte setzt ihr künftig?
Katharina: Die Jury des Awards wird wie eh und je darauf achten, dass die Start-ups echte Herausforderungen in HR lösen. War die Besetzung vorher schon eine spannende Mischung aus HR-Praxis, Wissenschaft, Beratung und Investor*innen-Perspektiven, haben wir die Praxis-Säule weiter gestärkt. Und mit drei Jury-Mitgliedern aus dem BPM haben wir auch die Verankerung im Verband ausgebaut, dessen Netzwerk für den intensiveren Austausch zwischen Start-ups und HR-Verantwortlichen sehr wertvoll ist.
Holger: Zehn von 14 Jury-Persönlichkeiten haben einen praktischen HR- bzw. CHRO-Hintergrund. Das verdeutlicht unseren Schwerpunkt ganz gut. Uns war wichtig, auch unterschiedliche Unternehmen abzubilden. Teilen sich viele auch die gleichen Herausforderungen, sind die Antworten oder die Instrumente, mit denen man arbeitet, doch oft unterschiedlich. Hier bilden wir jetzt eine größere Breite an Anwendungserfahrung ab. Zusammen mit den anderen Mitgliedern, die eine Wissenschafts- oder Investor*innen-Perspektive besitzen, ist es uns möglich, Lösungen ganzheitlich zu bewerten – von der technologischen Substanz über Skalierbarkeit bis hin zur organisatorischen Wirkung. Mercer, a Marsh business, bringt dabei insbesondere eine analytische Sicht auf Markttrends, Reifegrade von Technologien und deren nachhaltige Integration in Organisationen ein. Unser Anspruch ist es, Innovation nicht nur zu würdigen, sondern auch kritisch-konstruktiv einzuordnen.
Welche Botschaft möchtet ihr Gründer*innen mit auf den Weg geben, die eine Bewerbung für den HR Start-up Award erwägen?
Katharina: Seid selbstbewusst, ihr werdet gebraucht! Der HR Start-up Award bietet Resonanz aus der gesamten HR-Community und eröffnet wertvolle Dialoge. Mein Appell: Denkt mutig, ambitioniert und zugleich praxisnah.
Holger: Meine Botschaft: Wichtig ist weniger Perfektion als vielmehr klare Lösungsorientierung und nachweisbare Wirksamkeit. Wer das deutlich macht, hat sehr gute Chancen.
Mit der elften Ausgabe startet der Award in eine neue Dekade. Wagen wir abschließend einen Blick in die Glaskugel: Was werden wir in den nächsten 10 Jahren an HR-Tech-Entwicklung sehen?
Katharina: Wir werden erleben, dass digitale Lösungen deutlich integrierter und nutzerzentrierter eingesetzt werden. Künstliche Intelligenz wird HR dabei unterstützen, bessere Entscheidungen zu treffen, etwa in der Personalplanung, der Kompetenzentwicklung oder im Recruiting. Gleichzeitig wächst die Verantwortung, Themen wie Transparenz, Fairness und Mitbestimmung konsequent mitzudenken. Eine wesentliche Zielsetzung ist für mich die Professionalisierung von HR durch Technologie: weg von administrativen Aufgaben, hin zu strategischer Gestaltung der Arbeitswelt, inklusive Qualifizierung und Unternehmenskultur. Hier haben wir in den zurückliegenden zehn Jahren große Schritte gemacht – dieser Weg ist aber noch nicht zu Ende.
Holger: Technologisch stehen wir erst am Anfang. In den kommenden zehn Jahren wird sich HR-Tech stark in Richtung intelligenter, autonom agierender Systeme entwickeln. Besonders relevant ist dabei das Thema Agentic AI – also KI-Systeme, die miteinander interagieren und somit eigenständig Aufgaben ausführen, Entscheidungen vorbereiten oder Prozesse orchestrieren. Das bedeutet konkret: HR-Lösungen werden nicht mehr nur Daten liefern, sondern aktiv Handlungsvorschläge machen, Szenarien simulieren und Prozesse selbstständig anstoßen – etwa im Workforce Planning, im Skill Matching oder in der Lernsteuerung. Gleichzeitig wird die Integration entscheidend sein: Punktlösungen werden zunehmend in Plattform-Ökosysteme eingebettet. Der Mehrwert entsteht dort, wo Technologie, Daten und Organisation sinnvoll zusammenspielen. HR wird dadurch datengetriebener, aber auch strategischer.
Katharina, Holger, vielen Dank euch für das Gespräch und eure Einblicke in die Zukunft von HR-Tech und die Bedeutung des HR Start-up Awards.