Aus Mercer wird Marsh
12 August 2026
Ein Gespräch mit Martin Haep, President Marsh People & Investments, Andrea Anderson, Partnerin und verantwortlich für den Strategic People & Board Advisory Bereich und Michael Sauler, Partner und Leader Investments and Retirement, zu den Rahmenbedingungen, Hintergründen und Zielen der aktuellen Brand Transition aus Mercer-Perspektive.
Frau Anderson, Herr Haep, Herr Sauler, ab September 2026 wird Mercer in der Marsh-Marke aufgehen. Wie blicken sie auf die bevorstehenden Veränderungen?
Andrea Anderson: Mercer zählt nach dem starken Wachstum in den zurückliegenden Jahren in der Tat zu den sichtbarsten Marken im HR-Management nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Da klingt bei jedem von uns und auch bei vielen Kunden und Geschäftspartnern eine Portion Wehmut mit.
Michael Sauler: Da kann ich nur zustimmen. Auch im Bereich Investments & Retirement hat sich Mercer in den letzten Jahren sehr stark entwickelt. Unsere Kunden sind im aktuellen Marktumfeld mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert und wir helfen dabei, diese mit einem ganzheitlichen Ansatz zu lösen. Unsere Expertise haben wir dabei sowohl organisch als auch anorganisch kontinuierlich weiterentwickelt.
Martin Haep: Ich kann die Perspektiven meiner Kollegen sehr gut nachvollziehen. Auch ich schaue positiv auf die Entwicklung der letzten Jahre. Aber: Die Entscheidung zur Fusion der Marken im Marsh-Verbund ist im Sinne unserer Kunden und Mitarbeitenden getroffen und richtig.
Was spricht aus Ihrer Sicht für die Brand Transition?
Martin Haep: Der wohl gewichtigste Grund für diesen Schritt ist die Vereinheitlichung und Zusammenführung unserer Services zum Nutzen unserer Kunden. Die Mercer-Perspektive, Unternehmen in allen Fragen des People & Investments-Managements und an den jeweiligen Schnittstellen als vertrauensvoller und wirkmächtiger Beratungspartner zu unterstützen, wird nun durch die Perspektiven der anderen Marsh-Gesellschaften bereichert: Strategie mit Oliver Wyman und Risk mit dem klassischen Marsh Versicherungs- und Rückversicherungsgeschäft.
Was ändert sich konkret – und was bleibt zunächst unverändert?
Andrea Anderson: Ab September 2026 wird in der Kundenansprache, in digitalen Touchpoints und in zentralen Kommunikationsmitteln die Marsh Brand zum gemeinsamen Dach für die ehemaligen Mercer-Services, -Kunden und Mitarbeitenden. Wir werden sukzessive den Markenauftritt harmonisieren – vom Corporate Design über E-Mail-Domains und Vorlagen bis hin zu Websites und Angebotsdokumenten.
Michael Sauler: Wichtig ist: Die Leistungen, Teams und Mandatsbeziehungen bleiben stabil. Wir gehen bewusst schrittweise vor, damit Kunden und Mitarbeitende Sicherheit und Orientierung behalten.
Martin Haep: Ungeachtet aller Veränderungen werden wir weiter als langfristig verlässlicher Partner für unsere Kunden agieren – indem wir ihnen gerade in den aktuell vielfach schwierigen Zeiten helfen, Unsicherheit zu navigieren, Resilienz aufzubauen und bessere Ergebnisse zu erzielen.
Wie profitieren Kunden konkret von der Umstellung?
Martin Haep: Kunden erwarten heute Konsistenz, Geschwindigkeit und Klarheit. Ein gemeinsames Markendach reduziert Reibung: Wer Marsh als Marke sieht, soll schneller verstehen, welche Kompetenzen dahinterstehen – Risiko, People, Health, Wealth, Investments und Governance-Themen.
Michael Sauler: Unser ganzheitlicher Ansatz wird noch einmal verbreitert. Dies ist auch notwendig, da die Herausforderungen der Kunden immer komplexer werden und eine Fokussierung auf das Kerngeschäft notwendig ist. Dabei können wir umfassend unterstützen und die Themen Risiko, Strategie, People und Investments verbinden. Wenn unter einer Dachmarke Prozesse und Zugänge klarer sind, entstehen weniger Verluste an den Schnittstellen.
Andrea Anderson: Generell bedeutet die Veränderung vor allem leichteren Zugang zu interdisziplinären Teams. Wenn ein Entscheider, insbesondere auf Vorstandsebene, neben Vergütung auch Nachfolgeplanung, Board Effectiveness, Cyber-Risiken oder ESG-Steuerung adressiert, ist es hilfreich, wenn die Zusammenarbeit über eine konsistente Plattform und Sprache funktioniert. Das wird jetzt sichergestellt.
Was bedeutet die Verschmelzung unter der Marsh Brand für die Mercer Organisation in Deutschland?
Martin Haep: Wir sprechen über eine Marken- und Go-to-Market-Transformation, keine operative Zentralisierung. Standorte und Teams orientieren sich weiterhin daran, was für Kundennähe und Delivery sinnvoll ist.
Michael Sauler: In der täglichen Zusammenarbeit ändert sich für unsere Kunden nichts, die Teams bleiben erhalten, die Dienstleistungen die gleichen, unsere fachliche Identität die gleiche und unsere Kultur als kundenorientierte Expertenorganisation die gleiche. Gleichzeitig profitieren wir davon, dass wir in einem einheitlichen Markenrahmen leichter „One Marsh“-Erlebnisse ermöglichen: integrierte Lösungen, gemeinsame Daten- und Plattformansätze sowie eine konsistente Präsenz im Markt.
Das stärkt Reichweite, Wiedererkennung und Kundenerfahrung...
Martin Haep: So ist es! Nehmen Sie das Formel-1-Sponsoring oder den Support für das Miami Fußball-Team in der MLS. Das alles strahlt jetzt auf die komplette Marsh-Gruppe weltweit ab, nicht nur auf den klassischen Versicherungsbereich, mit dem viele in der Vergangenheit Marsh verbunden haben.
Verändert sich das Produktportfolio?
Martin Haep: Unser Portfolio bleibt inhaltlich bestehen. Perspektivisch kann es sogar klarer werden: unter einem Markendach können wir Angebote besser bündeln und Kunden schneller durchgängig begleiten – von Strategie über Implementierung bis Governance und Investments. Wo es Überschneidungen gibt, werden wir die Angebotsarchitektur vereinfachen, ohne Kompetenz zu verlieren.
Andrea Anderson: Konkret in unserem Strategic People & Board Advisory Bereich haben wir die letzten Monate daran gearbeitet, die jüngeren Akquisitionen wie hkp///group und Profil M in ein stimmiges, ganzheitliches Service Portfolio zu gießen und das entsprechende Narrativ dazu zu entwickeln. Das Marken-Thema wird diese Entwicklung noch einmal befeuern.
Wie wird mit den Übergangsmarken im Bereich Corporate Governance Advisory (Mercer | hkp///group) und im Bereich Leadership Assessment & Development (Mercer | Profil M) weitergearbeitet?
Andrea Anderson: Übergangsmarken haben eine klare Funktion: Sie geben Orientierung, weil sie bestehende Marktbekanntheit respektieren und gleichzeitig die Zugehörigkeit zur Dachmarke. Im Fall von Mercer | Profil M und Mercer | hkp///group ist dies durch den Zusatz „A Marsh Business“ sichergestellt. Bei beiden Marken haben wir uns auf einen Fortbestand bis mindestens Ende 2026 verständigt.
Was bedeutet die Brand-Transition für den Investment- & Retirement Bereich?
Michael Sauler: Für unsere Kunden zählt die strategische Beratung mit Ergebnissen, die effizient implementiert werden können. Die Brand-Transition verändert nicht unseren Anspruch, der strategische Partner für unsere Kunden für alle Themen rund um die Kapitalanlage und Altersversorgung zu sein.
Martin Haep: Der Mehrwert liegt in der besseren Integration angrenzender Themen: Risiko und Kapital, Employee Benefits und Pensionen, Bilanz- und Cashflow-Perspektiven, Resilience und Klimarisiken. Unter einer Dachmarke können wir diese Themen leichter orchestrieren – ohne dass Kunden sich durch mehrere Markenwelten navigieren müssen.
Vielen Dank für das Gespräch!