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Governance-Prozesse für Immobilien-Investments von Pensionskassen und Versorgungswerken 

Pensionskassen und Versorgungswerke unterliegen einer Treuhandpflicht gegenüber ihren Versicherten und Begünstigten. Strukturierte Governance-Prozesse sind bei Immobilien-Investments von großer Bedeutung.

Warum ist Governance besonders wichtig, wenn Pensionskassen und Versorgungswerke in Immobilien investieren?

Pensionskassen und Versorgungswerke unterliegen einer Treuhandpflicht gegenüber ihren Versicherten und Begünstigten. Strukturierte Governance-Prozesse sind daher von großer Bedeutung. Immobilien sind illiquide, komplex, unterliegen speziellen rechtlichen Anforderungen und enthalten zahlreiche spezifische Risiken, z.B. Bewertungsrisiken, ESG-, Markt- und Vermietungsrisiken. Klare Governance-Strukturen stellen sicher, dass Entscheidungen nachvollziehbar, verantwortungsvoll und regelkonform getroffen, Interessenkonflikte gesteuert und regulatorische Vorgaben eingehalten werden. So können Pensionskassen und Versorgungswerke ihre Reputation schützen, Kapital erhalten und Verpflichtungen langfristig erfüllen.

Welche Governance-Strukturen werden idealerweise empfohlen und welche Rolle spielen Second Opinions?

Regulierte Einrichtungen müssen gesetzliche Rahmenbedingungen und interne Richtlinien streng überwachen. Dabei kann eine mehrstufige Governance-Struktur unterstützen. Bewährt hat sich ein Investmentkomitee für strategische Beschlüsse. Die Grundlage für Investments sollten klare Anlagericht- und Leitlinien sein. Darüber hinaus gehören klar definierte Delegations- und Freigabelimits sowie ein formales Risikomanagement, Compliance-Prozesse und regelmäßiges Reporting an Geschäftsführung und Aufsichtsorgane dazu. Ebenfalls wichtig sind Vorgaben zum Umgang mit Dienstleistern, Eskalationsregeln und dokumentierte, nachvollziehbare Entscheidungsprozesse.

Second Opinions, d.h. unabhängige Zweitmeinungen sowie rechtliche oder steuerliche Zweitprüfungen, sind wichtige unabhängige Kontrollinstrumente, die Entscheidungswege transparent dokumentieren und zur Reduktion von Interessenkonflikten und Risiken beitragen. Im Rahmen von Zweitmeinungen werden Due-Diligence-Prozesse durchgeführt, Schwachstellen identifiziert und ein verlässlicher Nachweis zur Dokumentation und Kommunikation mit bspw. Aufsichtsbehörden, Gremien und anderen Stakeholdern erstellt.  Zusammengefasst stellen Second Opinions komplexe Sachverhalte transparent dar und entlasten interne Ressourcen bei der Entscheidungsfindung oder bei Interessenkonflikten. Dies hilft, Risiken zu vermeiden und Berichtspflichten und Eskalationsprozesse effizient und reibungslos zu bewerkstelligen. 

Welche Herausforderungen haben Pensionskassen und Versorgungswerke bei der Umsetzung dieser Governance-Praktiken?

Typische Herausforderungen in Zeiten einer immer komplexer werdenden Investmentlandschaft sind begrenzte interne Ressourcen, die Kosten- und Zeitintensität umfassender Prüfungen, der hohe Aufwand für die Kontrolle ausgelagerter Manager sowie die Sicherstellung von Datenqualität und Transparenz.

Insbesondere bei Immobilien muss jedes Objekt individuell betrachtet werden. Die Anforderungen an die Bewertung von Büroimmobilien sind bspw. andere als die an studentisches Wohnen. Dieses Fachwissen dauerhaft sicherzustellen, kann Unternehmen schnell an den Rand ihrer Kapazitäten bringen.

Hinzu kommen das richtige Timing am Markt, Interessenskonflikte und die Integration regulatorischer Anforderungen. Priorisierung, standardisierte Prozesse und fachliche Expertise helfen dabei, Governance-Strukturen effizient umzusetzen. Externe Expertise, die situativ hinzugezogen wird und objektiv bewertet, kann hier entlasten und echten Mehrwert schaffen. 

Warum ist Due Diligence ein kritischer Schritt für Immobilieninvestitionen und was sind die wichtigsten Bestandteile eines robusten Due-Diligence-Prozesses?

Im Rahmen von Due-Diligence-Prozessen werden alle wesentlichen Risiken vor dem Kauf identifiziert und bewertet — rechtliche Belastungen, bauliche Mängel, Gefahren durch die Umwelt, steuerliche Fallstricke, Markt- und Cashflow-Risiken sowie ESG-Kriterien. Ohne gründliche Prüfung besteht die Gefahr erheblicher finanzieller Verluste, Nachforderungen oder Reputationsschäden. Für Institutionen mit langfristigen Verpflichtungen ist Due Diligence die Basis, um Preis, Vertragskonditionen und erforderliche Risikominderungsmaßnahmen sachgerecht zu bestimmen. Für regulierte Pensionskassen und Versorgungswerke stellt sie sicher, dass Investitionen ihren Risiko-Rendite-Profilen entsprechen und regulatorischen Standards genügen. Sie hilft auch, kostspielige Überraschungen nach der Investition zu vermeiden.

Ein robuster Prozess umfasst mindestens: 

  • kommerzielle/marktbezogene Analyse (Standort, Nachfrage, Wettbewerb)[AN1.1]
  • rechtliche Prüfung (Eigentum, Lasten, Verträge)
  • technische/bauliche Inspektion
  • Umweltprüfungen (Altlasten)
  • steuerliche Analyse
  • ESG-Assessment
  • Financial Modelling mit Sensitivitäten
  • Versicherungskontrolle
  • KYC/AML-Prüfung der Gegenparteien 
  • Bewertung des Asset-/Property-Managements. 
  • Szenariotests und Stresstests  

Wie sollten die Ergebnisse der Due Diligence dokumentiert und genutzt werden?

Ergebnisse gehören strukturiert in einen Due-Diligence-Report mit Executive Summary, detaillierten Prüfkapiteln, einem priorisierten Risiko-Register und Empfehlungen für weitere Maßnahmen. Die Dokumentation muss konkrete Empfehlungen zu Preisnebenbedingungen, Garantien, Vertragsklauseln und Freigabebedingungen enthalten. Grundlage ist ein formelles Entscheidungs- und Freigabememo an das Investmentkomitee. Nach Erwerb dient ein Monitoring-Plan der Nachverfolgung offener Punkte und der Umsetzung vereinbarter Maßnahmen. Diese Dokumentation unterstützt fundierte Entscheidungen, erleichtert die laufende Überwachung und dient als Nachweis für Compliance-Prüfungen.

Welchen Rat würden Sie Verantwortlichen in Pensionskassen und Versorgungswerken geben, die ihre Due-Diligence-Prozesse stärken wollen?

Standardisieren Sie Checklisten und Templates, bauen Sie internes Know-how auf und binden Sie frühzeitig spezialisierte externe Expert:innen ein. Planen Sie realistische Zeit- und Budgetpuffer, definieren Sie klare Eskalationsregeln und nutzen Sie sichere digitale Data Rooms zur strukturierten Dokumentation. Schulen Sie Entscheidungsträger:innen regelmäßig in Governance- und Due-Diligence-Standards und etablieren Sie ein systematisches Reporting sowie unabhängige Zweitmeinungen/Second Opinions.

Due Diligence sollte als kontinuierlicher Prozess verankert und nicht nur als einmalige Maßnahme vor der Investition verstanden werden. Die Investition in die Ausbildung des Teams und der Aufbau vertrauensvoller Beziehungen zu externen Beratern steigert die Qualität, Nachvollziehbarkeit und den Schutz der Versicherteninteressen.

Über den/die Autor:in(nen)
Dennis Lehnhoff

Segmentleiter Versorgungswerke & Pensionskassen

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