Rekord: Pensionsverpflichtungen im DAX 40 zu über 90 Prozent durch Kapital gedeckt
14 Januar 2026
Während an den Anleihemärkten im Jahr 2025 Kursverluste zu beobachten waren, haben sich die anderen Anlageklassen überwiegend positiv entwickelt.
Insgesamt führte das zu einem Anstieg des Pensionsvermögens im DAX 40 von 261 Mrd. Euro um ca. 12 Mrd. Euro auf etwa 273 Mrd. Euro, wie eine aktuelle Schätzung des Beratungsunternehmens Mercer, ein Unternehmen von Marsh, auf Basis der zuletzt veröffentlichten Geschäftsberichte der DAX-40-Unternehmen sowie aktueller Kapitalmarktinformationen zeigt.
Die Entwicklung an den Anleihemärkten bedeutete auch im Jahr 2025 einen deutlichen Anstieg des Rechnungszinssatzes. Dadurch sank der Wert der Pensionsverpflichtungen in den IFRS-Abschlüssen der DAX-Unternehmen von 317 Mrd. Euro um ca. 26 Mrd. Euro auf etwa 291 Mrd. Euro.
Der Deckungsgrad der Pensionsverpflichtungen stieg damit um mehr als 10 Prozentpunkte an und erreichte einen neuen Rekordwert von 93 Prozent.
Der gestiegene Zins und der damit verbundene hohe Deckungsgrad eröffnen den Unternehmen weitere De-Risking-Möglichkeiten. Insbesondere Ausfinanzierungsformen wie der Pensionsfonds und die Nutzung von Rentnergesellschaften können operationelle und bilanzielle Risiken weiter reduzieren. Außerdem können die Liquiditätsabflüsse vermindert bzw. optimiert und auch die Kosten der gesetzlichen Insolvenzsicherung können mit Pensionsfondslösungen gesenkt werden.
Dr. André Geilenkothen
Leiter Pension Funding Consulting, Mercer Deutschland
Pensionsvermögen steigen weiter
Zum dritten Mal in Folge haben sich die Kurse an den Kapitalmärkten positiv entwickelt. Eine Ausnahme bildete lediglich die Seitwärtsbewegung an den Anleihemärkten. Trotz der positiven Entwicklung dreier aufeinanderfolgender Jahre ist der Höchststand von fast 300 Mrd. Euro vom 31.12.2021 noch nicht wieder erreicht.
Die Änderung der Zusammensetzung des DAX 40 hat nur geringfügige Auswirkungen auf den Umfang des Pensionsvermögens. Im Herbst haben die Porsche AG (nicht aber die Porsche Automobil Holding) und Sartorius den DAX verlassen, während GEA Group und Scout24 neu aufgenommen wurden. Das führte zu einem Anstieg des Pensionsvermögens von lediglich einer halben Mrd. Euro.
Trotz des allgemeinen Trends zur Ausfinanzierung kann davon ausgegangen werden, dass die Zahlungen aus dem Planvermögen erneut höher als die neuen Zuwendungen des Jahres 2025 gewesen sind. Das führte zu einem Mittelabfluss von schätzungsweise 7 Mrd. Euro.
Der resultierende Betrag von 19 Mrd. Euro ergibt sich aus der positiven Kapitalmarktentwicklung und bedeutet eine Rendite von über 7 Prozent.
Positives Kapitalmarktjahr 2025 trotz großer (geo-)politischer Unsicherheiten
Das Jahr 2025 hat eindrücklich vor Augen geführt, wie stark geopolitische Unsicherheiten und der rasche Fortschritt in der Künstlichen Intelligenz die Marktdynamik prägen. Diese Kombination schafft gleichzeitig spürbare Risiken, aber auch neue Anlagechancen, nicht zuletzt durch divergierende Entwicklungen in Währungsräumen und Industriesektoren.
Jeffrey Dissmann
Leiter Investments, Mercer Deutschland
Die Inflation verlief 2025 in den USA und der Eurozone unterschiedlich: In der Eurozone schwächte sich die Inflationsrate im Jahresverlauf deutlich ab, während sie in den USA insgesamt höher blieb. Die Europäische Zentralbank (EZB) reagierte mit vier Leitzinssenkungen zu jeweils 25 Basispunkten (bp); der Einlagenzinssatz liegt aktuell bei 2,0 Prozent. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) agierte vorsichtiger, nicht zuletzt aufgrund der Unsicherheit über die Effekte der von der US-Regierung eingeführten Zölle. Zinssenkungen in den Monaten September, Oktober und Dezember (jeweils mit 25 bp) folgten auf schwächere Konjunkturdaten und einem sich abschwächenden Arbeitsmarkt. Den Anstieg der Inflation wertete man als vorübergehend.
Die Abschwächung des US-Dollars gegenüber dem Euro und anderen Währungen minderte die Renditen von US-Dollar-Anlagen aus Euro-Perspektive. Dadurch schnitten Aktien aus der Eurozone und aus Schwellenländern in Euro deutlich besser ab als US-Aktien. Trotz starker Turbulenzen im April (rund um den Liberation Day) schlossen die Aktienmärkte das Jahr 2025 mit positiven Renditen.
Anleihen blieben wichtige Ertragsbausteine, zeigten aber deutliche Differenzen nach Laufzeit, Bonität und Region. Langlaufende Anleihen litten unter Inflations- und Staatsverschuldungssorgen. Die Risikoaufschläge für Investment-Grade-Anleihen blieben eng und stabil; High-Yield-Anleihen waren wegen Rezessionsängsten deutlich volatiler.
Zentrale Indexstände (in Euro): MSCI World Total Return +7,2 Prozent, MSCI Emerging Markets Total Return +18,5 Prozent, MSCI Europe Total Return +20,1 Prozent. Globale Anleihen (Bloomberg Global Aggregate TR in EUR) schlossen mit −4,6 Prozent, während europäische kurzlaufende Anleihen (Bloomberg Euro Aggregate TR 1–3 Jahre) +2,6 Prozent erzielten (Stand zum 31.12.2025).
Die Pensionsverpflichtungen sinken dagegen
Der Wert der Pensionsverpflichtungen in den IFRS-Abschlüssen der DAX-Unternehmen ist von 317 Mrd. Euro auf etwa 291 Mrd. Euro gesunken. Auch hier führen die Veränderungen in der Zusammensetzung des DAX 40 nur zu einer Erhöhung von etwa einer halben Mrd. Euro. Der Saldo aus Dienstzeitaufwand, Zinsaufwand und Zahlungen ist nahezu ausgeglichen. Hieraus ergibt sich eine weitere Erhöhung des Verpflichtungswertes um etwa eine Mrd. Euro.
Der Rückgang aufgrund versicherungsmathematischer Gewinne beläuft sich daher sogar auf etwa 27 Mrd. Euro und lässt sich im Wesentlichen durch die deutliche Zinserhöhung erklären.
Das bestätigt, dass der Rechnungszinssatz die entscheidende Einflussgröße für die Entwicklung der Pensionsverpflichtungen ist. Die Mercer Yield Curve, das Zinsberechnungsverfahren von Mercer, zeigt im Jahr 2025 einen Anstieg des Rechnungszinssatzes von etwa 0,8 Prozentpunkten für eine durchschnittliche Restlaufzeit (Duration) von 15 Jahren. Bei einer kürzeren Duration (z. B. ausschließlich laufende Leistungen) war der Anstieg geringer, bei einer längeren Duration (z. B. ausschließlich aktive Beschäftigte) war der Anstieg höher. Ähnlich sah die Entwicklung bei Verwendung der Berechnungsmethoden anderer Gutachterhäuser oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften aus.
Die tatsächliche Veränderung des Rechnungszinssatzes der DAX-Unternehmen hängt vom verwendeten Verfahren, der Zusammensetzung des Personenbestandes, den konkreten Zusagen und weiteren Faktoren ab.
Auf Basis der Erfahrungen der Vergangenheit unterstellen wir, dass die DAX-Unternehmen ihren Rechnungszinssatz im Jahr 2025 durchschnittlich um etwa 0,8 Prozentpunkte angehoben haben. Das hat zu einem deutlichen Rückgang der Pensionsverpflichtungen geführt.
Thomas Hagemann
Chefaktuar, Mercer Deutschland
Die Inflation hat sich im Jahresverlauf weiter normalisiert. Zwar liegt die jährliche Inflation immer noch über 2 Prozent, mittelfristig ist aber mit einer Annäherung an das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank zu rechnen. Das bestätigen sowohl Marktdaten als auch Prognosen der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Einzelne DAX-Unternehmen werden daher auch die Annahme für die künftigen Rentensteigerungen (Rententrend) zurückgenommen und somit weitere Entlastung geschaffen haben.
„Die Unternehmen gehen mit der Annahme für den Rententrend allerdings zurückhaltend um und nähern sich nur langsam der Marke von 2 Prozent pro Jahr an“, kommentiert Hagemann.
Bilanziell beeinträchtigen Schwankungen der Rendite des Pensionsvermögens und der Annahmen für die Verpflichtungswerte nicht den ausgewiesenen Unternehmenserfolg. Nach IAS 19 sind sie vielmehr erfolgsneutral auszuweisen.
Deckungsgrad gestiegen
Durch die gegenläufigen Entwicklungen von Pensionsvermögen und Pensionsverpflichtungen ist dieser Wert nun weiter in die Höhe geschnellt und liegt mit etwa 93 Prozent so hoch wie nie.
Innerhalb des DAX 40 gibt es eine große Bandbreite: Etwa ein Viertel der Unternehmen hat einen Deckungsgrad von unter 50 Prozent, während etwa ein Drittel sogar über 100 Prozent liegt. In Deutschland liegt eine Ausfinanzierung im Ermessen des Unternehmens; eine Verpflichtung gibt es nicht.
Auch wenn der Rekordwert für den Deckungsgrad vor allem daran liegt, dass der Rechnungszins trotz insgesamt hoher Kapitalanlagerendite gestiegen ist, zeigt sich in der langfristigen Entwicklung des Deckungsgrades der weiterhin bestehende Trend zur freiwilligen Ausfinanzierung. Die Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen ist dabei immer ein Mittel des De-Riskings und führt somit generell zu einer Abmilderung von Bilanz- und Liquidationsrisiken.
Die Nutzung einer Treuhandlösung stellt dabei meist den ersten Ausfinanzierungsschritt dar – Vermögen wird zweckgebunden den Versorgungsverpflichtungen zugewidmet und entlastet die Bilanzen und die künftige Liquiditätsplanung. Bei Bedarf können Treuhandlösungen auch mit einem Pensionsfonds kombiniert werden, um eine echte Auslagerung und damit eine weitere operative Entlastung zu erzielen. Und auch bei der Schaffung von Rentnergesellschaften empfiehlt sich die Einbindung von Treuhandlösungen – sie stellen die Zweckbindung im Sinne einer Good Governance auch in diesem besonderen Umfeld bestmöglich sicher.
Dr. André Geilenkothen
Leiter Pension Funding Consulting, Mercer Deutschland
Kapitalmarktausblick für das Jahr 2026
Für 2026 wird ein moderates Wachstum der Weltwirtschaft erwartet, da sich die Handelshemmnisse verringern und geld- sowie fiskalpolitische Maßnahmen leicht gelockert werden. In der Eurozone dürfte das Wirtschaftswachstum anziehen, getragen von investitionsgetriebenen Impulsen in Deutschland, insbesondere durch erhöhte Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Entscheidend wird sein, inwieweit die Wettbewerbsfähigkeit Europas durch strukturpolitische Reformen verbessert werden kann. Die Gesamtinflation in der Eurozone wird voraussichtlich nahe des Zielwerts von 2 Prozent bleiben, wobei die Kerninflation sich weiter in Richtung des Inflationsziels der EZB bewegt. Vor diesem Hintergrund sind keine weiteren Leitzinssenkungen durch die EZB zu erwarten.
In den USA wird das Wirtschaftswachstum voraussichtlich robust bleiben und sich nahe dem langfristigen Trend bewegen. Die Unternehmensinvestitionen dürften insbesondere durch den Ausbau im Bereich der Künstlichen Intelligenz weiter zulegen. Der „One Big Beautiful Bill Act“ wird das Wachstum zusätzlich stützen, indem er Steuersenkungen verankert sowie Anreize für vorgezogene Investitionen schafft. Die Gesamt- und Kerninflation könnten kurzfristig aufgrund der Zölle ansteigen und auch 2026 auf einem erhöhten Niveau verharren. Die Fed wird ihre Zinssenkungen vermutlich fortsetzen, um auf Schwächen am Arbeitsmarkt zu reagieren. Allerdings ist damit zu rechnen, dass die Fed die Zinsen nicht so stark senkt, wie derzeit vom Markt eingepreist, sofern das Wirtschaftswachstum anzieht und die Inflation über dem Ziel bleibt.
„Vor dem Hintergrund dieses wirtschaftlichen Umfelds birgt das Kapitalmarktjahr 2026 sowohl Chancen als auch Risiken”, erläutert Dissmann. „Die Herausforderung für Pensionsinvestoren besteht darin, sich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten und ein robustes Governance-Konzept zu implementieren. Jetzt ist ein opportuner Zeitpunkt, um eine gezielte Risikoreduzierung in den Pensionsbilanzen zu planen und den hohen Ausfinanzierungsgrad zu sichern.”
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Leiter Investment Consulting, Mercer Deutschland
Chefaktuar, Mercer Deutschland GmbH
Leiter Pension Funding Consulting