Marsh CFA Institute Global Pension Index 2026: Alterung der Bevölkerung setzt Rentensysteme weltweit unter Druck
FRANKFURT, 20. Oktober 2026 – Marsh (NYSE: MRSH), ein weltweit führendes Professional-Services-Unternehmen, und das CFA Institute, der globale Verband der Anlageexperten, haben heute den 18. jährlichen Marsh CFA Institute Global Pension Index (MCGPI), veröffentlicht. Der Index vergleicht 55 Altersversorgungssysteme weltweit und deckt 66 Prozent der Weltbevölkerung ab.
Sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartungen setzen die Altersversorgungssysteme weltweit zunehmend unter Druck. Der diesjährige Index untersucht, wie sich die Alterung der Bevölkerung auf die Ausgestaltung und langfristige Nachhaltigkeit von Rentensystemen auswirken wird – und welche Maßnahmen politische Entscheidungsträger ergreifen sollten, um sich darauf vorzubereiten.
„Die Entscheidungen, die wir heute treffen, um nachhaltige Systeme aufzubauen, werden die finanzielle Sicherheit der Menschen in der Zukunft maßgeblich beeinflussen. Die steigende Lebenserwartung ist zu bedeutend, um sie zu ignorieren, denn sie wirkt sich umfassend auf Einzelpersonen, Regierungen, Volkswirtschaften und Gesellschaften aus. Es ist Zeit zu handeln“, sagt Pat Tomlinson, President und CEO von Marsh People and Investments.
„Rentensysteme stehen unter erheblichem Druck“, erläutert Christine Mahoney, Global Defined Benefit/Defined Contribution Leader bei Marsh. „Regierungen, die klare Ziele für ihre Rentensysteme im Blick haben, die Finanzierung stärken und mehr Flexibilität bei der Ausgestaltung der Altersvorsorge schaffen, werden deutlich besser in der Lage sein, den kommenden Generationen einen würdevollen und sicheren Ruhestand zu ermöglichen.“
Mona Naqvi, Managing Director, CFA Institute Research and Policy Center, ergänzt: „Die Rentensysteme unterscheiden sich von Land zu Land, stehen jedoch alle vor derselben langfristigen Herausforderung: verlässliche Einkommen im Ruhestand sicherzustellen, während sich die Demografie verändert und sich die Märkte wandeln. Keine einzelne politische Maßnahme und keine einzelne Anlageentscheidung können dies allein leisten. Erforderlich sind eine solide Systemgestaltung und Governance sowie eine sorgfältige Überwachung der Kapitalanlagen durch diejenigen, die gegenüber Sparerinnen, Sparern sowie Rentnerinnen und Rentnern eine Treuhänderpflicht haben. Der Maßstab ist, ob diese Entscheidungen zusammenwirken, um Menschen während des gesamten Ruhestands zu unterstützen, und auch für kommende Generationen tragfähig bleiben.“
Die Lage in Deutschland bleibt stabil
Deutschland liegt mit einer Gesamtbewertung von 67,9 von 100 möglichen Punkten (Vergleich Vorjahr: 67,8 Punkte) wie in den Vorjahren weiterhin im Mittelfeld. Das deutsche Rentensystem wird in den Sub-Kategorien „Angemessenheit“ mit 79,8 von 100 Punkten und in der Sub-Kategorie „Integrität“ mit 78 von 100 Punkten jeweils mit B+ bewertet. Erwartungsgemäß stellt unter anderem die langfristige und nachhaltige Finanzierbarkeit des Systems die größte Herausforderung dar: Die Note „D“ in der Sub-Kategorie „Nachhaltigkeit“ weist auf Risiken bzw. deutliche Verbesserungspotenziale in diesem Bereich hin.
„Der Index verdeutlicht die in Deutschland aktuell sehr prominent diskutierten Herausforderungen der Altersversorgung. Wir stehen vor der großen Aufgabe, unser Rentensystem über alle drei Säulen widerstandsfähiger gegenüber dem demografischen Wandel, der steigenden Lebenserwartung und den zunehmenden Lebenshaltungskosten zu machen“, ordnet Michael Sauler, Partner und Marsh Investments and Retirement Leader, ein. „Eine höhere Mindestrente für Geringverdienende, mehr kapitalgedeckte Vorsorgebeiträge und eine breitere Einbindung der Beschäftigten in betriebliche Altersvorsorgeprogramme stellen Möglichkeiten dar, die Rentenversorgung in Deutschland zukunftssicher aufzustellen. Insbesondere die Kapitaldeckung in allen Säulen und damit Chance auf eine Partizipation an der Rendite des Kapitalmarkts ist ein wesentliches Element, das wir von anderen Ländern lernen können und nun umsetzen müssen“.
Rentensysteme an einen längeren und flexibleren Ruhestand anpassen
Der Index 2026 hebt drei zentrale politische Maßnahmen hervor, die erforderlich sind, um auf diese demografischen Realitäten zu reagieren: die Festlegung klarer Ziele für Rentensysteme, die Priorisierung der Finanzierung künftiger Altersvorsorgeverpflichtungen sowie die Schaffung von mehr Flexibilität bei der Gestaltung von Altersvorsorgeprodukten und beim Renteneintrittsalter. Traditionelle Renteneintrittsalter von 60 oder 65 Jahren passen zunehmend weniger zu einem längeren und gesünderen Leben. Da die Grenze zwischen Erwerbsleben und Ruhestand – unter anderem durch die zunehmende Bedeutung von Gig-Arbeit und Teilzeitbeschäftigung – immer stärker verschwimmt, müssen sich Rentensysteme an die tatsächliche Lebens- und Arbeitsweise der Menschen im späteren Lebensalter anpassen.
„Die Daten zeigen deutlich, dass sich selbst die leistungsstärksten Systeme weiterentwickeln müssen. Angesichts dieser demografischen Veränderungen kann es sich kein System leisten, stillzustehen“, kommentiert Tim Jenkins, Hauptautor der Studie und Partner bei Marsh Investments and Retirement. „Der richtige Ansatz für ein Land, ein System oder sogar eine einzelne Person ist nicht zwangsläufig auch für andere geeignet. Was jedoch alle Systeme gemeinsam haben, ist die Notwendigkeit zur Anpassung. Die Ausgestaltung des Ruhestands muss flexibler werden – bei der Frage, wann Menschen Einkommen beziehen, bei der Strukturierung von Produkten und bei unserem Verständnis der Grenze zwischen Erwerbsleben und Ruhestand. Diese Flexibilität ist nicht länger optional.“
Trotz bestehender Unterschiede sind im Index deutliche Verbesserungen erkennbar
Mit Indexwerten von mehr als 80 erhalten die Altersversorgungssysteme in den Niederlanden, in Dänemark, Island, Singapur und Israel 2026 erneut die Note A. Erstmals erhält erneut Australien die Note A. Diese sechs Systeme sind robust: Sie bieten angemessene Leistungen, sind nachhaltig und weisen ein hohes Maß an Integrität auf.
Der Index basiert auf dem gewichteten Durchschnitt der Teilindizes Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität. Bei den einzelnen Teilindizes erzielten Kuwait bei der Angemessenheit, Dänemark bei der Nachhaltigkeit und Finnland bei der Integrität die jeweils höchsten Werte.
In diesem Jahr haben sich die Bewertungen von fünf Altersversorgungssystemen verbessert: Australien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman, Panama und China. Der Durchschnittswert des Gesamtindex ist gegenüber 2025 um 1,1 Punkte gestiegen.