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OCIO im Jahr 2026 verstehen 

Mit der zunehmenden Komplexität von Investmentportfolios und steigenden Governance-Anforderungen rückt für Asset Owner eine zentrale Frage in den Fokus: Wie werden Anlageentscheidungen heute getroffen und effektiv gesteuert?

Im Mittelpunkt dieser Neubewertung steht eine strukturelle Diskrepanz zwischen der Weiterentwicklung der Portfolios und den dafür vorgesehenen Governance‑Rahmenwerken. Vor diesem Hintergrund haben sich OCIO‑Modelle (Outsourced Chief Investment Officer) von einer spezialisierten Einzellösung zu einem breit etablierten, multidisziplinären Operating‑Modell für institutionelle Anleger entwickelt. Durch die integrierte Steuerung von Anlageentscheidungen, Umsetzung und Überwachung können OCIO‑Modelle Portfolios dabei unterstützen, auch bei sich wandelnden Marktbedingungen dauerhaft im Einklang mit Unternehmenszielen, Risikotoleranz und Governance‑Kapazitäten zu bleiben.

Das Wachstum von OCIO spiegelt möglicherweise einen grundlegenden Wandel wider: weg vom produktzentrierten Investieren hin zu integrierten, konsequent ergebnisorientierten Lösungen. Wir sehen, dass diese Entwicklung von vier wesentlichen Faktoren geprägt wird:

Governance-Beschränkungen und Portfolio-Komplexität

Die Investment-Governance ist deutlich anspruchsvoller geworden. Portfolios umfassen zunehmend Public und Private Markets, liquide und illiquide Strategien, Overlays, Absicherung von Verpflichtungen und Nachhaltigkeitsziele. Gleichzeitig wird von Vorständen und Investmentausschüssen erwartet, dass sie eine stärkere Aufsichtsfunktion wahrnehmen – oft bei begrenzter Zeit und knappen internen Ressourcen.

OCIO-Modelle zielen darauf ab, ein integriertes Rahmenwerk bereitzustellen, das strategische Beratung, Portfolioaufbau und Umsetzung miteinander verbindet. Dabei wird Alpha-Generierung durch etablierte Investmentmanager und laufende Überwachung gewährleistet. Statt einzelne Komponenten isoliert zu steuern, wird die Entscheidungsfindung über das gesamte Portfolio hinweg koordiniert. Dadurch sind Organisationen besser in der Lage, mit zunehmender Komplexität umzugehen, profitieren zugleich vom renditeorientierten Know-how der globalen Investmentmanagement Branche und können ihre Governance Strukturen gezielt weiterentwickeln und optimieren.

Dieser integrierte Ansatz ist für ein breites Spektrum von Organisationen relevant – von Institutionen mit mehreren Anlagepools, wie beispielsweise betriebliche oder staatliche Pensionspläne, Versicherungsbilanzen und Stiftungen und gemeinnützige Organisationen, die eine ausgewogene Kombination aus Rendite, laufenden Erträgen und strategischer Ausrichtung anstreben. Denn Anlageentscheidungen in einem Bereich können spürbare Auswirkungen auf Risiko, Liquidität und Ergebnisse in anderen Bereichen des Gesamtportfolios haben.

Ein maßgeschneidertes Betriebsmodell

OCIO ist keine Entweder-oder-Entscheidung zwischen vollständigem Outsourcing und vollständiger interner Verwaltung. Unserer Erfahrung nach bevorzugen große und erfahrene Asset Owner maßgeschneiderte, modulare Lösungen, die ihre indviduellen Zielsetzungen ebenso berücksichtigen wie ihre und internen Ressourcen und Governance-Kapazitäten.

Einige Anleger übertragen die volle Entscheidungsbefugnis im Rahmen eines diskretionärer Mandats, das durch eine klar definierte Strategie und konkrete Zielvorgaben geprägt ist. Andere hingegen behalten die strategische Steuerung in eigener Hand und lagern die Umsetzung oder unterstützende Funktionen gezielt für einzelne Anlageklassen aus. In komplexeren Fällen können OCIO-Partnerschaften auch die Integration bestehender Investmentteams in eine skalierbare operative Plattform umfassen. Kunden- und portfoliospezifisches Wissen bleibt erhalten und gleichzeitig werden die Kapazitäten erweitert.

Wir sind überzeugt, dass Flexibilität ein zentraler Erfolgsfaktor ist. Entsprechend sollten Anlagelösungen so ausgestaltet sein, dass sie sich an den individuellen Governance‑Präferenzen, der jeweiligen Risikobereitschaft und dem Operating‑Modell jedes einzelnen Kunden orientieren. Wir sind uns bewusst, dass der organisatorische Kontext die Anforderungen an Partnerschaften und die Ergebnisse von Investments ebenso stark beeinflussen kann, wie die Marktbedingungen.

In der Praxis müssen OCIOs als Partner für das Portfolio eines Kunden fungieren, indem sie eine Erweiterung des Investmentteams des Kunden bilden. Der wahre Mehrwert entsteht durch die Verbindung aus Governance, Beratung und Umsetzung, gestützt auf fundierte Daten, Transparenz, Berichterstattung und Risikomanagement. Wenn diese Elemente richtig aufeinander abgestimmt sind und eine Organisation speziell darauf ausgerichtet ist, diese Komponenten zusammenzuführen, wird es möglich, Portfolios in Zeiten des Wandels effektiver zu verwalten – indem man sich an veränderte Ziele, sich wandelnde Governance-Anforderungen sowie sich auswirkende und immer komplexer werdende Marktbedingungen anpasst.
Michael Lernihan

Global Commercial Leader, Mercer

Integration von Private Markets in das Gesamtportfolio

Unserer Ansicht nach ist die Allokation in Private Markets heute ein fester und wesentlicher Bestandteil langfristig ausgerichteter Portfolios, über Pensionskassen und Versicherer hinweg ebenso wie bei Wealth Manager und Family Offices. Die Herausforderung hat sich dabei vom reinen Zugang zu Private Assets hin zu ihrer durchdachten Integration verlagert – mit dem Ziel, private Anlagen sinnvoll und ausgewogen in das Zusammenspiel mit liquiden Strategien zu integrieren.

Dies erfordert daher besondere Aufmerksamkeit in Bezug auf das Tempo, das Liquiditätsmanagement, die Cashflow-Prognosen, die Risikoaggregation und das Berichtswesen. Für einige Kund:innen umfasst dies auch die Verwaltung älterer Allokationen in Private Markets, die nicht mehr ihren Zielen entsprechen, einschließlich Secondaries oder structured Run-off-Strategien.

Ein wirksames OCIO‑Rahmenwerk unterstützt sowohl den gezielten Aufbau als auch die Neuausrichtung von Private‑Markets‑Allokationen und stellt dabei sicher, dass diese stets im Kontext des Gesamtportfolios betrachtet und gesteuert werden.

Daten, Transparenz und fundierte Entscheidungsfindung

Eine effektive Investment‑Governance ist heute zunehmend auf zeitnahe und qualitativ hochwertige Informationen angewiesen, da Asset Owner über alle Anlageklassen hinweg Echtzeit‑Einblicke in Portfolioexposures, Risiken und Ergebnisse benötigen. Als Reaktion darauf haben wir in Daten-, Analyse- und Reporting investiert, das unseren Kunden ermöglicht, ihre Portfolios auf verschiedenen Ebenen zu analysieren – von detailierten Informationen auf Einzeltitelebene bis hin zu konsolidierten Auswertungen von Risiko, Liquidität und Wertentwicklung. Diese tiefe Einsicht ermöglicht insbesondere in Zeiten von Stress an den Märkten, eine sichere Entscheidungsfindung. Gleichzeitig stärkt sie die Kommunikation mit Vorständen, Aufsichtsbehörden und anderen Interessengruppen.

Angesichts des ständigen technologischen Wandels dürfte die Fähigkeit, Daten in umsetzbare Erkenntnisse zu verwandeln, ein entscheidendes Merkmal effektiver OCIO-Partnerschaften bleiben.

Auswirkungen für Anleger

Letztendlich liegt der Wert von OCIO weniger in der Auslagerung selbst, sondern vielmehr darin, Unternehmen durch komplexe Governance-Strukturen zu führen, ihre Investmentkenntnisse zu vertiefen und ihre Anlageergebnisse zu verbessern. Da Portfolios zunehmend stärker miteinander verbunden sind, benötigen Asset Owner Operating‑Modelle, die sowohl unter Stressbedingungen als auch in stabilen Marktphasen verlässlich und wirksam funktionieren. 
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