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Die Zukunft der Private Markets: Public versus Private Equity 

Die Zukunft des Investierens: Von „Public Equity“ und „Private Equity“ hin zu „Equity“ im Allgemeinen.

Die Schlagzeilen der letzten Zeit fokusierten sich vor allem auf den Investmentzyklus im Bereich Künstlicher Intelligenz, die immer wieder neu verhandelten Zolltarife sowie die geopolitischen Konflikte. Das ist jedoch nur ein Teil von dem, was auf den Finanzmärkten passiert. Hinter den Kulissen hat sich die gewohnte Struktur der Anlageklassen verändert. Das hat Auswirkungen auf die Kapitalströme und die Risikoverteilung, die über einzelne Anlageklassen oder Anlegertypen hinausreichen.

Veränderungen im Lebenszyklus eines Unternehmens: Während Public Markets schrumpfen, wachsen Private Markets

Während Unternehmen früher das Ziel eines Börsengangs verfolgten, haben ein strengeres regulatorisches Umfeld und die Vorliebe der Anleger für Private Equity nun zu einem neuen Gleichgewicht geführt. In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich Public Markets verringert, was sich in den USA beispielsweise in einem Rückgang der Zahl börsennotierter Unternehmen um 35 % – von 7.000 auf 4.500 – zeigt. Andererseits ist die Zahl der von Private-Equity-Fonds finanzierten Unternehmen um 400 % gestiegen, von 2.000 auf über 11.500.1 Es geht über die bloße Anzahl der Unternehmen hinaus: Das verwaltete Vermögen in den Private Markets beläuft sich weltweit mittlerweile auf über 15 Billionen Dollar.2 Das Wachstum der privaten Kapitalpools, insbesondere im Bereich Private Equity und Private Credit, sowie die zunehmende Akzeptanz von Vehikeln wie Continuation Funds, hat es Gründern und Private-Equity-Gesellschaften ermöglicht, ihre Vermögenswerte länger privat zu halten.

Ein Beispiel für diesen Trend ist das Wachstum des VC-Einhorn-Universums im Vergleich zu börsennotierten Small-Cap-Unternehmen. Die Marktkapitalisierung der VC-Einhörner beläuft sich mittlerweile auf fast 8 Billionen US-Dollar und ist damit mehr als doppelt so hoch wie die der US-Small-Cap-Unternehmen.3 Es geht nicht nur um die Anzahl der VC-Einhörner; die größten unter ihnen weisen mittlerweile Bewertungen auf, die sie bei einem eventuellen Börsengang direkt in den Large-Cap-Index bringen werden. Dies steht im Einklang mit aktuellen Untersuchungen zur Verlagerung der Wertschöpfung im Lebenszyklus eines Unternehmens: Während in der Vergangenheit 88 % der Wertschöpfung eines Unternehmens an den Public Markets stattfanden, ist dieser Anteil bei Börsengängen in den letzten fünf Jahren auf knapp 45 % gesunken.4

Während sich die Private Markets ausweiten, konzentrieren sich die Gewinne an den Public Markets zunehmend auf einige wenige Technologieaktien mit extrem hoher Marktkapitalisierung – die „Magnificent Seven“ –, die mittlerweile einen großen Anteil an den wichtigsten Indizes ausmachen. Diese Konzentration hat die Renditen in dem Maße gesteigert, wie KI an Fahrt gewonnen hat, birgt jedoch auch das Risiko von zunehmender Volatilität, da die Hyperscaler in ihrem Streben nach der Vorherrschaft im KI-Bereich immer höhere Investitionssummen aufwenden. Tatsächlich machten die zehn größten Titel nach Marktkapitalisierung im S&P 500 zwar einen beachtlichen Anteil von 40 % am Index aus, sie hatten jedoch einen noch größeren Anteil am Ex-post-Risiko: 53 %.5

Um ein diversifiziertes Aktienportfolio aufzubauen, das das gesamte Spektrum von Marktchancen und den gesamten Lebenszyklus eines Unternehmens abdeckt, sollten Anleger ihre Allokation in börsennotierte Aktien mit einer sorgfältigen Allokation in Private Equity kombinieren.

Gezieltes Risikomanagement an Public und Private Markets

Gleichzeitig ist es beim Aufbau eines reinen Aktienportfolios wichtig, bewusst auf die zugrunde liegenden Positionen zu achten. Wie der Einbruch im SaaS-Sektor im ersten Quartal 2026 gezeigt hat, ist es entscheidend, Portfolios aus einer ganzheitlichen Perspektive zu betrachten und nicht nur nach Anlageklassen zu unterscheiden. Das Software-Risiko durchdrang börsennotierte Aktien, Public Credit, Private Equity und Private Credit auf eine Weise, die sich durch historische Korrelationen zwischen den Anlageklassen nicht ableiten ließ. Der Ausbau der KI-Infrastruktur birgt auch für traditionell diversifizierte Real-Asset-Kategorien das gleiche Risiko durch Verwischung der Anlageklassen.

Der Anstieg von Buy-out-Investments in SaaS-Unternehmen unterstreicht wie wichtig es ist, bei einem Private-Equity-Programm auf die Diversifizierung nach Jahrgängen und Sektoren zu achten. Ein neues Programm, das sich auf Primärfonds beschränkt und dem Markt in den SaaS-Sektor folgt, würde im Vergleich zu einem ausgereifteren Programm einen Teil der Sektordiversifizierung vermissen lassen. Hätte dieses Programm stattdessen Primärfonds mit Sekundärfonds kombiniert, hätte die Sektorenzusammensetzung am Ende diversifizierter ausfallen können. Ebenso kann der Einsatz von Co-Investments im Rahmen eines Programms nicht nur zu Gebühreneinsparungen führen, sondern auch dazu beitragen, das Blind-Pool-Risiko zu verringern. Dadurch können Investoren gezielter entscheiden, welche Risiken sie eingehen – sei es, indem sie verstärkt auf KI setzen, sich von herkömmlichen SaaS-Lösungen abwenden oder den Technologiesektor ganz meiden. Die Kombination aus Sekundärinvestitionen und Co-Investments ermöglicht es Anlegern, ihr Private-Equity-Programm besser zu steuern und genauer zu beurteilen, wo sie im gesamten Beteiligungsportfolio und damit im Gesamtportfolio Risiken eingehen.

Da Public und Private Markets immer stärker miteinander verflochten sind, sollten Anleger über einfache Allokationsentscheidungen hinausgehen und versuchen zu verstehen, wo sich Wachstum und Risiken konzentrieren. Wir sind der Ansicht, dass Resilienz einen ganzheitlichen Portfolioansatz erfordert, der die Engagements ganzheitlich betrachtet und sich an den laufenden Strukturwandel anpasst, anstatt isolierte Konjunkturzyklen zu betrachten.
Über den/die Autor:in(nen)
Nathan Struemph

ist globaler Leiter des Bereichs Portfolioaufbau.

Mike Forestner

ist Global Chief Investment Officer für Private Markets.

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